Zelluloid
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DIVA KUSS VEDUTEN SCHWAN INSTALLATION

 

Wie er mit dem Medium der Sehnsüchte und der Träume umgeht, zeigt diese Ausstellung.Wenn Mühle irgendwo ein Foto oder Filmbild gefunden hat, beginnt der Arbeitsprozess. Er collagiert, überlagert, überdeckt, unterminiert, durchkreuzt zerschneidet, zerkratzt das Gegebene und komponiert Schicht für Schicht neue Zusammenhänge. Über dem Fundfilmmaterial liegen grafische Elemente, Ziffern, Muster, Tapetendekor, subtil verunordnet und ästhetisch wohltemperiert zu einer neuen, den Sehsinn fordernden Intensivlandschaft zusammengeharkt. Mühles munter durchgrubberter Mutterboden ist die Transformation. In ihrem Schoß deuten sich seine Ansätze zur Umwandlung und Grenzüberschreitung. Mühles "Potsdam-Veduten" sind Hauptzeugen dieses andauernden Stresstests. Violett und Schilfgrün leuchtet bei Mühle die Begeisterung, mit der er in der Serie "Schwanensee" eine Motivkette majestätischen Entenvögel wandfüllend durchdekliniert in größtmöglicher Distanz zu den grundlos-allgemeinplätzigen Herzenserquickungen des Tourismusmarketing. Die Welt ist schön - was weiß Gott nicht häufig genug vorkommt. Neben Mühles geheimnisvoll goldflimmernder Serie über die Kunst des Küssens, mit Filmküssen, die romantisch, gierig, sogar tödlich das urmenschliche Spitzen der Lippen erst zum Kuss gemacht zu haben scheinen, ist besonders die "Liz-Taylor - Serie" hervorzuheben. Elizabeth Taylor war die fleischgewordene Versinnbildlichung einer gewaltigen Modernisierung und Befreiung. Im Kino und im Leben. Mühle lässt es bewusst krachen. Er fügt Film-Startbänder, die er zu Schießscheiben umgeformt hat, und Liz-Taylor-Dekoltees zusammen. In diesen Bildern geht es um den Aspekt, wie eine enorm engagierte und durchsetzungsbereite Frau, die es ganz nach oben geschafft hat, zu einer öffentlichen Zielscheibe und Projektionsfläche wird. Dabei interessiert sich Steffen Mühle weniger für das Verheimlichte, das die Taylor, hinter einem goldenen Schleier drapiert, nur halb preiszugeben bereit ist, als vielmehr das ästhetische Offenbarmachen des Aktes des Verheimlichens.

Textauszug aus Katalog zur Ausstellung von Christoph Tannert