Paradies

Man darf darüber streiten, ob Mühle an die Kraft der Urbilder und Archetypen glaubt oder lediglich einen comicartigen Joke inszeniert. Sichtbar wird jedenfalls, wie der Künstler den fotogrammatischen Entstehungsprozess seiner Bilder streckt indem er mit Pinsel und Schwamm Blutlaugensalz aufstreicht, wie sich ihm das Leben zuwendet in den Geschenken der Wahrnehmung und wie das künstlerische Subjekt ganz Auge wird, ohne die Brille der Reflektion. Mühle lässt entstehen. Es bilden sich punktuelle Intensitäten, Einsichten, Aussichten, mehr ist nicht intendiert, mehr braucht es nicht. In dem Wunsch, sein Maß zu finden, sein Leben zu führen mit Intensität, unterbricht Mühle von Zeit zu Zeit aber auch den Meditationsprozess. Er beißt in den Apfel oder zerschneidet ihn, so wie ein Kind, das nach den Dingen innewohnenden Geheimnisse sucht. Die Danksagung an eine gegebene symbolische Ordnung ist Mühle genauso wichtig wie ihre Zerstörung.

Text von Christoph Tannert