Fotox

Wie ein fündig gewordener Goldgräber arbeitet Steffen Mühle an einem Zeichensystem auf Mehrfach-Ebene. Die Reduzierung auf das Bild vom Körper bildet hierbei den Ausgangspunkt für das Erkennen von Verletzungen in der Zeit der Erblindung. Röntgenbilder und das Be-, Über- und Umarbeiten des Durchleuchtungsprinzips auf fotochemischer Basis gehören zum materiellen künstlerischen Haushalt - einem Bildherstellungsverfahren, das Steffen Mühle knapp "Fotox" nennt, bezugnehmend auf die X-rays des Rötgenverfahrens.

Im Zeitalter der Bilderzeugungstechnologien setzt Mühle mit seinem "Prinzip Fotox" ganz unzeitgemäß auf das nicht-manipulierte, von Leistungsdruck und Werbung relativ unbeeinflußte Körperbild und auf die künstlerische Handarbeit. Als ein Reflex auf die anonyme Produktionsform und den Apparate-Fetischismus wie auch als Verweigerung des schwelgerischen Körperblicks der Spätabend-TV-Programme entwickelt Steffen Mühle Bilder, die ihren Gegen-Stand (also das, wogegen man stößt) in einer "dunklen Totalidee"* finden, bewusst gegen die Zeit des Simulierens und Computierens gesetzt. *Der Kunsthistoriker Werner Hofmann hält die "dunkle Totalidee" (entwickelt von Schiller am 27. März 1801 in einem Brief an Goethe)"für einen der tauglichsten Grundbegriffe der schöpferischen Tätigkeit"

Text von Christoph Tannert