Berlin

Was Steffen Mühle umtreibt, sind Neugier, Spiellust und Wertmaßstäbe, die Nebenprodukte einer großen Heiterkeit sein könnten. All das gedacht als Energieformen, die sich dem Einfluß sozialer Daten verdanken. Wenn Mühles Bilder wie von gestern aussehen, dann aus dem Grunde, weil gerade das einer Provokation gleichkommt, sich in Zeiten des "digitalen Kapitalismus" dermaßen rückgewandt und von piefigen Mustern unterstützt zu präsentieren. Aber haben sich die Sehnsüchte und Schönheitsideale, die intellektuelle und kommunikative Potenz des Menschen wirklich geändert? Ist es nicht bis heute nur noch schlimmer gekommen? Die Wissens- und Erkenntnisgesellschaft hat Erkenntnis durch Werbung ersetzt und verwechselt den überquellenden Datenfluß mit sinnvoller Information. Die Medien sind Handlanger von Schönheitsterroristen, die, wie es bei Michael Houllebecq heißt, an einer "Ausweitung der Kampfzone" arbeiten.

Text von Christoph Tannert